Chronometer mit Charisma: Maurice de Mauriac.

von Play Hunter, playlust.net

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Er gilt als das bunte Hemd der Schweizer Uhrenszene. Das stört weder Daniel Dreifuss noch die Fans seines Labels Maurice de Mauriac. Sie wissen: Gut gemachte Uhren führen zu guten Zeiten.

Text und Fotos: Play Hunter

Daniel Dreifuss befindet sich in einer anderen Zeitzone. Erstens ist er gerade zurück aus New York und leidet unter Jetlag. Zweitens: «Ein Kunde rief mich gestern an und sagte: Iouri Podtlachikov trägt eine Uhr von dir!» Dreifuss zeigt das Beweisbild von der Olympia-Siegerehrung auf dem iPad. Der Halfpipe-Goldmedaillengewinner trägt eine Chrono Modern by Maurice de Mauriac. «Ich wusste gar nicht, dass er Kunde von uns ist!» Der Gründer, Inhaber und General One-Man Show ist immer noch leicht fassungslos.

Dreifuss‘ Geschäft an der Tödistrasse in Zürich befindet sich in Gehdistanz zum Paradeplatz, aber Lichtjahre entfernt von der Hochglanz-Uhrenwelt an der Bahnhofstrasse. Im Schaufenster tummeln sich die Topseller des Hauses, die Chronometer und Natobänder, klar. Aber vor allem: Klassische Spielzeug-Rennautos, Vintage-Gadgets, Kunstbücher, Steve McQueen Memorabilia und Inspirationsquellen aus der Welt der Aviatik und Aquatik. Immer wieder bleiben Passanten stehen und drücken sich die Nase platt, die Augen gross wie kleine Kinder. Mitten im Raum steht ein riesiger Holztisch, auf dem Ledermuster, Lünetten und Gehäuse ein sorgsam gehegtes Chaos bilden.

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Zwischen einem Berg Korrespondenz und einem Hügel Uhrenbänder telefoniert Dreifuss und checkt auf dem Laptop seine Mails. Der Besitzer von über zweihundert gestreiften Hemden und fünfzig karierten fürs Wochenende trägt heute eins mit lachsfarbenen Streifen, passend zur Velokurier-Jacke aus New York und um den Hals, wie immer, ein Tuch seiner Tochter Mascha. Ein Staubsauger-Roboter dreht stoisch seine Runden.

Das System de Mauriac tickt anders, keine Frage. Dreifuss gilt nicht nur wegen seinem Kleiderstil als das bunte Hemd der Branche. Der frühere Investmentbanker, seit 1997 als Selfmademan im Uhrengeschäft tätig, sagt Sätze wie: «Geld interessiert mich nicht. Das Erlebnis ist wichtiger. Money kills many things.» Oder: «Mein grösstes Asset ist, dass ich in Farben denke. Farbkombinationen sind wie Mathematikformeln für Problemlösungen.”

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Die Schönheit der Mauriac-Mathematik manifestiert sich etwa in einem intensiv leuchtenden, blau gefärbten Saphirglas, dem Le Mans Streifen auf einem Zifferblatt, einer Lünette aus schwarzen Diamanten oder den Uhrenbändern aus Horween-Leder. Die waren im früheren Leben mal zarte Pferdehinterbacken. Die legendäre U.S. Namensgeberin gerbt daraus in einem sechsmonatigen Prozess auf natürlicher Basis Leder von einzigartiger Farbsättigung und Lebensdauer. Als Experimentier- und Innovationsgrundlage dient stets der Mauriac-Klassiker Chronograph Modern in 39, 42 oder 45 mm im Aviator-Stil. So auch für die L1, die neue, schlanke und ultra schlichte Uhr mit einem Armband aus Hermès-Leder. Die Kooperation mit dem jungen Schweizer Designer Fabian Schwaerzler bedeutet einen Meilenstein für den Patron, der bis anhin alles in Eigenregie designte.

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Wie überlebt man als kleines Rädchen im Getriebe der Uhren-Urnation?

Obwohl Maurice de Mauriac im Grunde mit hochwertigen Unikaten operiert – Komponenten und Bänder sind alle untereinander kompatibel und konfigurierbar -  ist das Label im mittleren Preissegment positioniert. Das Einsteigermodell gibt’s ab 1500 Franken. Damit ist Dreifuss als unabhängiger Uhrmacher in der Schweiz ohne nennenswerte Konkurrenz. Mindestens eine Uhr pro Tag muss der dreifache Vater verkaufen, um im Geschäft zu bleiben und die Familie zu versorgen.

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Neulich traf Dreifuss den CEO eines helvetischen Giganten am See. «Ich fragte: Wie spät ist es? Zu spät für Sie, sagte er. Das zeigt etwas die Arroganz.» Das spornt an. Anstatt ‘Made in Switzerland’ setzt der umtriebige Nischenplayer auf den Zusatz ‘Made in Zurich’. Das kommt an. Nicht nur beim stattlichen Netzwerk an lokalen Entscheidungsträgern, sondern auch bei nationalen Showbusiness-Grössen wie Stress. Stanislas Wawrinka war Fan der ersten Stunde. Eine Mauriac spielt eine Nebenrolle im Hollywood-Streifen Last Vegas. Sowie eine führende bei Uhrenfreaks weltweit. Einer davon ist Erik Blam, der Manager von RUN DMC. Der bestellte für sich und die Jungs eben eine Spezialanfertigung. Dreifuss lieferte sie persönlich in New York ab. «To rock a RHYME that’s right on TIME!!!» kommentiert die offizielle RUN DMC Facebook Seite das Resultat. Darunter: über 5000 Likes.

Wer ist denn nun dieser Maurice de Mauriac? Vielleicht das Alter Ego von Dreifuss, das in einem alten Schweizer Luxushotel in den Bergen sitzt und weiss: Zeit ist da im Überfluss und in unendlichen Optionen. Man muss sie sich bloss nehmen.

www.mauricedemauriac.ch

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