«Für einen Grünen muss es ein Elektroauto sein»

von Redaktion, ecoist.ch

Der Umweltwissenschaftler und Nationalrat Bastien Girod (Grüne) fährt mit dem i3 von Zürich an den Aegerisee.

bgirod

«Meine Frau und ich wohnen in der Stadt Zürich, da sollte man eigentlich gar kein Auto haben. Aber wenn ein Grüner Auto fährt, dann muss es ein Elektroauto sein. Der Sinn kann allerdings nicht der sein, dass ich von meiner Wohnung im Kreis 5 mit dem Auto zur Arbeit an der ETH fahre, dafür nehme ich das Velo oder den öffentlichen Verkehr.

Meine Frau und ich haben uns deshalb ein Ziel ausgesucht, dass man mit dem ÖV nicht so leicht erreicht und fuhren an den Aegerisee. Am meisten erstaunt hat mich beim i3 die Beschleunigung. Die ist wirklich beeindruckend, und man hat trotz alternativem Antriebskonzept nicht das Gefühl, auf etwas verzichten zu müssen. Das Fahrgefühl ist ganz anders – und auch schöner, als in einem Benziner oder Diesel. Und wenn man bergab rollt und sieht, wie die Reichweite durch die Rekuperation der Bremsenergie wieder zunimmt, wird das Energiesparen zum unterhaltsamen Spiel. So verbindet der i3 die Reduktion der Umweltbelastung und den Fahrspass ziemlich gut.

Im Gespräch mit Bekannten und Kollegen kam die Rede oft auf das Gesamtkonzept des BMW i3, das im Moment von allen Elektrofahrzeuge wohl am meisten überzeugt. Der Gedanke der Nachhaltigkeit wurde hier sehr weit gedacht. Zum Konzept gehört auch eine gewisse Transparenz, was die Gesamtökobilanz des Autos angeht, hier geht BMW relativ weit, während andere Hersteller relativ intransparent wirken. Das wichtigste an der Ökobilanz ist ohnehin die Batterie, hier müssen die Hersteller noch besser informieren.

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Die Frage der Reichweite stellt sich für mich nicht, da ich eben ein praktisch autofreies Leben führe. Die rund 130 Kilometer Reichweite mit dem i3 haben für uns vollauf gereicht, den Range Extender haben wir jedenfalls nicht gebraucht und die Batterie konnten wir ganz normal in der Garage zu Hause wieder laden. Vielleicht stellt sich die Frage des autofreien Lebens nochmals neu, wenn unsere Familie jetzt Zuwachs kriegt, und wir das neu diskutieren müssten. Aber ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen. Denkbar wäre das höchstens, wenn der Krippenplatz mit dem ÖV nicht zu erreichen wäre, aber so prekär ist der Krippenplatz hoffentlich nicht… (Lacht)

Als Mobility-Benutzer wäre es schön für mich, wenn die Fahrzeugflotte um Modelle wie den i3 erweitert würde. Oder vielleicht kommt DriveNow, das Carsharing-System von BMW selbst irgendwann mit einer i3-Flotte nach Zürich. Bisher gibt es DriveNow ja in Berlin, Hamburg oder San Francisco. Das scheinen mir Konzepte zu sein, die Zukunft haben. Man braucht ja wirklich kein Auto, bloss um zweimal pro Jahr in die Ferien zu fahren oder einmal ein Möbel von einem Einrichtungshaus nach Hause zu transportieren.

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Das Einzige, was mir an dem Elektro-BMW nicht gefallen hat, war die Spracherkennung. Eigentlich könnte man etwa ein Navigationsziel aufsagen, aber das hat überhaupt nicht geklappt. Vielleicht liegt es an meinem Dialekt – obwohl ich mir Mühe gegeben habe, Hochdeutsch zu sprechen. Aber das System und ich haben uns überhaupt nicht verstanden.

Aber sonst: Als Grüner kann man eigentlich – wenn überhaupt – nur Elektroauto fahren. Und da ist der i3 ist etwa das Beste, was man zurzeit haben kann.»

Bastien Girod (Jahrgang 1980) ist Umweltwissenschaftler an der ETH Zürich, wo er auch zum Thema Ökobilanzen doktorierte. Seit 2007 sitzt er für die Grünen im Nationalrat, zuvor sass er im Gemeinderat der Stadt Zürich. 2010 veröffentlichte er das Buch «Green Change – Strategien zur Glücksmaximierung» (Zytologie). Girod ist verheiratet, seine Frau Ellen und er erwarten ihr erstes Kind.