Der Weg führt übers Holz

von Jeroen van Rooijen, Zürich
Das Zürcher Designduo Kadur Rohner verbindet klassisches Schreinerhandwerk mit zeitgenössischem Design. Teilen, Tüfteln und «Basteln» gehören auf der Suche nach neuen Lösungen zu ihrem Handwerk.
KADUR_ROHNER_10b
«Das Basteln ist aus der Mode gekommen»:
Diana Rohner-Kadur und Cellistin Rohner, beide 31.
Try and error – irgendwie ist diese jahrtausendealte Arbeitsweise ja der Schlüssel zu jeder Erneuerung. Aber nicht viele trauen sich in unserer perfekt organisierten Welt noch, dies offenzulegen. Diana Rohner-Kadur und Celestin Rohner, beide 31 Jahre jung und Gründer des jungen Schweizer Designbüros Kadur-Rohner, arbeiten lieber ohne festen Plan. Sie haben mit Experimentieren und Tüfteln keine Mühe, im Gegenteil: Es ist ihre Art, wie sie neue Ideen finden.
Die Mikro-Industriellen
Das Entwerfen geschieht nicht nach einem hierarchischen Ablauf, sondern beginnt mit den ersten Skizzen und zieht sich bis zur eigentlichen Produktion. «Das Basteln an der Maschine ist etwas aus der Mode gekommen», sagt Celestin Rohner, während er an seiner alten Metalldrehbank schraubt. Er setzt ein abenteuerliches, selbst konstruiertes Ding ein, mit dessen Hilfe er eine Oberfräse so führen kann, dass sie die eleganten, oben ovalen und unten runden Beine des Beistelltisches «Tablett» in einem Arbeitsgang dreht. Er arbeite gerne wenn möglich selbst an der Werkbank, sagt Cellistin Rohner, «weil ich unsere Ideen dabei fortlaufend kontrollieren und optimieren kann».
DSC_2943 DSC_2948
DSC_2973DSC_2952
Man könnte das, was Kadur-Rohner im Untergeschoss einer Ateliergemeinschaft im Zürcher Kreis 5 eingerichtet hat, auch eine Art «Mikro-Industrie» nennen. Sie kombinieren, formal wie handwerklich, zwei Welten: Die der traditionellen Schreinerei und die des en Designs. «Dank Schablonen und selbst angepassten Maschinen arbeiten wir hier in der Werkstatt so effizient, dass es sich kaum lohnen würde, diese Arbeit auszugliedern und anderswo zu produzieren», sagt Celestin Rohner.
DSC_2995
DSC_2954DSC_3006
Möbel als Lieblingsstücke: Der «Slim Chair» brachte den Durchbruch.  
Angefangen haben Kadur-Rohner während des Architekturstudiums in Berlin und Hamburg, als das Paar im eigenen Keller Möbel baute, die rasch zu Lieblingsstücken wurden. Der Durchbruch gelang vor zwei Jahren an der Zürcher Designmesse Blickfang: Nachdem Kadur-Rohner ihre Ideen dort einem breiteren Publikum gezeigt hatten, kamen sie ein halbes Jahr lang mit Produzieren kaum mehr nach. Vor allem der filigrane «Slim Chair» wurde ihnen fast aus den Händen gerissen. Seit Frühling 2014 arbeiten sie in der geräumigeren Schreinerei in der erwähnten Ateliergemeinschaft.
Recht schweizerisch
«Unsere Entwürfe haben etwas sehr direktes, analoges und vertrautes, sind aber trotzdem zeitgenössisch», sagt Celestin Rohner. Gelegentlich wird ihre Formensprache auch für dänisch gehalten, ergänzt er grinsend, aber: «Wahrscheinlich ist es schon recht schweizerisch, Handwerkskunst und Präzision so zu kombinieren.» Als Vorbilder nennt Rohner Designer wie Carlo Molino oder Max Moser, doch wisse er auch, dass man seinen eigenen Weg gehen muss. Und der führt im Moment hauptsächlich übers Holz.
Gutes Schweizer Holz ist der Hauptwerkstoff, mit dem Kadur-Rohner arbeiten. Im Moment hat es ihnen die harte Hainbuche angetan. Wichtig sei aber in jedem Fall, zu wissen, wo das Holz herkommt. «Wir beziehen unsere Stämme aus einer kleinen Sägerei am Zürichsee, denn wir wollen die Werkstoffe nicht zu weit transportieren», sagt Celestin Rohner. Der Gedanke der Nachhaltigkeit gehe aber noch weiter: So werden die Möbel von Kadur-Rohner grundsätzlich nicht lackiert, sondern nur mit natürlichen Ölen behandelt, wodurch das Holz seine sinnliche Haptik behält.
Allerdings müsse er sich schon jetzt überlegen, wie er sein hohes handwerkliches Ethos aufrecht erhalten kann, wenn die Marke weiter wächst und die Entwürfe auch nach Übersee verkauft werden. «Dann wird es wohl sinnvoll, die Stücke lokal herzustellen», sagt Celestin Rohner. «Wir hätten kein Problem damit, die Ideen mit anderen zu teilen, das ist für uns eine ganz natürliche Sache – wir teilen ja auch unsere Werkstatt mit anderen»
Fotos: Jeroen van Rooijen
Porträt: Aljoscha Thomas